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HASS-TRIPTYCHON. Wege aus der Krise. Eine Therapie in drei Flügeln.

1. September 2021 @ 20:00 21:30 CEST

von Sibylle Berg / nt-Digital / ab September 2021

Sie sind die schweigende Mehrheit, die wegbrechende Masse.
Sie sind die Ratlosen, die Trostlosen.
Sie sind jung oder alt, hetero- oder homosexuell.
Sie sind ambitioniert oder haben sich schon längst von ihren Ambitionen verabschiedet.
Sie sind die deutsche Mittelschicht, die deutschen Durchschnittsmenschen.

Sie sehnen sich nach Aufstieg, Sichtbarkeit, Nähe und Anerkennung, wissen jedoch um die Vergeblichkeit ihrer Sehnsüchte. Sie leben mit dem Bewusstsein, dass ihr krankhaftes Sehnen nichts anderes darstellt, als eine Ausflucht von dem Stillstand und der Trostlosigkeit eines jeden Sonntags. Und auch der Montag, der Beginn einer neuen Arbeitswoche, der immer eine Chance auf Veränderung verspricht, entpuppt sich Woche für Woche als unerschöpflicher Quell vernichtender Demütigungen, Enttäuschungen und Niederlagen; als unveränderlicher Trott nie endender Banalität und sinnlosen Daseins. Daher begeben sie sich nicht in Therapie um Genesung zu erlangen, sondern streben danach, Anerkennung, Sichtbarkeit und Individualität wenigstens in der egalisierenden Melange aus Vereinzelung, Depression und Hoffnungslosigkeit zu erlangen. Aber auch die Therapie gehorcht den Gesetzen der kapitalistischen Marktwirtschaft und so kommt es unter den Patient*innen zu einem masochistischen Überbietungskampf, der nicht zuletzt auch immer wieder durch den Hass-Master, einen mephistophelischen Demagogen in Therapeutenverkleidung, angefacht und befeuert wird. Seine Behandlung sublimiert die angestaute und unbeachtet gebliebene Wut zu einer befreienden Eruption grenzenlosen Hasses, sodass die Therapie unaufhaltsam auf einen Amoklauf zusteuert. Mit Hass-Triptychon skizziert Sibylle Berg in gewohnt zynisch-überspitzter Manier eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft. Das noch vor Beginn der Corona-Pandemie geschriebene und uraufgeführte Stück beschwört auf nahezu prophetisch-unheilvolle Weise Assoziationen zu den politischen Ereignissen des letzten Jahres, wie den „Anti-Corona-Demos“ oder den Sturm auf das Kapitol, und antizipiert die durch die Pandemie aufgezwungene kollektive Erfahrung von Isolation, Stillstand und Einsamkeit.