Der talentierte Mr. Ripley

Schauspiel nach dem Roman von Patricia Highsmith | aus dem Amerikanischen von Melanie Walz | Theaterfassung von Grit Lukas und Lars Helmer | Premiere: 9. Februar 2019 | Landestheater Tübingen

Regie: Grit Lukas  Bühne und Kostüme: Lena Hiebel  Dramaturgie: Lars Helmer

Tom Ripley: Jens Lamprecht
Marge Sherwood/ Cleo: Florenze Schüssler
Dickie Greenleaf/ Herbert Greenleaf/ Peter: Rinaldo Steller
Freddie Miles/ Roverini/ McCarron: Nicolai Gonther

Fotos

Fotos: Martin Siegmund

Trailer

Trailer: Landestheater Tübingen/ Grit Lukas

Presse

Die LTT-Inszenierung legt viel Wert darauf, auch die Gewissensbisse und Schuldgefühle, seelischen Nöte und Panikattacken aufzuzeigen, wenn Tom mit seinen Untaten hadert und wenn ihm der ermordete Dickie im Traum erscheint. Immer wieder lässt die Regie Tom Ripley direkt ins Publikum sprechen und seine Gedanken und Gefühle thematisieren. Etwa wenn – wie in vielen Romanen Patricia Highsmiths, die sich selbst wie ein Junge im Körper eines Mädchens fühlte – unterschwellig das Motiv möglicher Homosexualität anklingt: Als im römischen Nachtleben eine Diseuse mit Schnurrbart singt, beginnen Dickie und Tom eine wilde Knutscherei. Und immer wieder wird dieser Tom Ripley auf der Suche nach seiner Identität gezeigt. Die Inszenierung fragt denn auch mit einem großen Graffiti: „Who are you? Wer bist Du?“ Auch wenn viele im Publikum die Geschichte des talentierten Mr. Ripley vermutlich bereits kennen, aus Patricia Highsmiths Roman oder aus zwei prominent besetzten Filmen (1960 spielte Alain Delon, 1999 Matt Damon den Tom Ripley), können sie diesen Theaterabend trotzdem genießen. Denn die Bühnenfassung von Regisseurin Grit Lukas und Dramaturg Lars Helmer macht trotz der dramatischen Geschichte ganz viel Spaß, ist flott, temporeich und spritzig inszeniert und setzt auf Effekte. Da gibt es Slapstick-Szenen, die Morde werden in Zeitlupe zelebriert, Alpträume und Zukunftsängste plagen Ripley im abgedunkelten Bühnenraum. Und es gibt jede Menge komödiantische Ideen, wenn etwa Dickie einen leeren Bilderrahmen als armseligen Mal-Versuch präsentiert oder wenn Ripley einen nicht hörbaren Dialog im Hintergrund kurzerhand synchronisiert. Die Rollen im überaus spielfreudigen vierköpfigen Ensemble (Jens Lamprecht als Tom Ripley, Rinaldo Steller, Nicolai Gonther und Florenze Schüssler in wechselnden Rollen) sind manchmal bis zur Karikatur überzeichnet, wie der o-beinige alte Reeder oder der Kaugummi kauende Privatdetektiv mit Sonnenbrille und Blumenhemd. Symbolträchtig präsentiert sich auch die Bühnenausstattung von Lena Hiebel, die einen leuchtenden Rahmen als zusätzliche Erzählebene eingebaut hat und die mit vielen verschiebbaren Stufenpodesten arbeitet. Das Treppauf und Treppab, das Hin und Her fordern den talentierten Möchtegern-Aufsteiger Ripley heraus, der mit allen Finessen um Balance, Seelenfrieden und sein wahres Ich kämpft. Gaby Weiss, Nürtinger Zeitung, 15.05.19 Link zum Artikel.

Regisseurin Grit Lukas und Dramaturg Lars Helmer haben den Roman für die Bühne knackig aufbereitet. In der LTT-Fassung geht es Schlag auf Schlag. Mord auf Mord. Tom Ripley (Jens Lamprecht) führt als Ich-Erzähler durch das Geschehen, für eine epische Entwicklung der Figuren oder Motive bleibt nicht allzu viel Zeit. Das hat aber auch etwas, weil ständig was passiert und der Rest unserer Fantasie überlassen wird. Katharina Hipp, Reutlinger Generalanzeiger, 12.02.2019

Das Schauspiel “Der talentierte Mr. Ripley” nach dem Roman von Patricia Highsmith präsentiert sich in der Bühnenfassung von Grit Lukas und Lars Helmer als flottes und junges Theater mit viel jugendlichem Drive und Tempo. Auf der Spielfläche der offenen Bühne, für deren passende Ausstattung Lena Hiebel sich verantwortlich zeichnet, entwickelt sich im Hin und Her auf und mit den mobilen Treppen, die sich immer wieder zu anderen Konstellationen auseinander und zusammen schieben lassen, ein nettes, manchmal etwas abgedrehtes mit Musik dramaturgisch effektvoll untermaltes Kammerspiel. (…) Es mag ein Risiko sein, eine solche bekannte kriminalistische Roman-Story (…) für die Bühne zu dramatisieren. Doch der Regisseurin gelingt zusammen mit dem Dramaturgen Helmer das Wagnis, vor allem weil die Regisseurin die Protagonisten als klar umrissene Typen zeichnet, ihnen ein vielsagendendes und aussagekräftiges Mienenspiel verleiht und zudem für gute Wechsel in der Inszenierung sorgt. Fundament für die gelungene Premiere ist der Kniff der Bühnenfassung Tom Ripley als Ich-Erzähler dem Publikum seine Gedanken und Gefühle übermitteln zu lassen. Christopher Holbein, Schwarzwälder Bote, 12.02.19