Mongos (Uraufführung)

von Sergej Gößner | Uraufführung | Theater Magdeburg | Gewinner des JugendStückePreis des Heidelberger Stückemarkts 2018 | Premiere: 10.2.2017

eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt 2018 und zu den Mülheimer Theatertagen NRW 2019

“Seine Behinderung. Seine Macken. Seine Makel. Seine Fehler. Der Mensch besteht aus seinen Einschränkungen. Für das meiste können wir nichts. Angeboren. Erblich bedingt. Doch werden wir danach beurteilt.”

Francis hat Multiple Sklerose. Ikarus ist seit Kurzem querschnittsgelähmt. Wie selbstverständlich zieht der aufschneiderische Ikarus über andere Leute als “Spastis” oder “Mongos” her, immer auf der Suche nach Selbstverständlichkeit für seine eigene Situation. Francis, verträumt und still, ist das genaue Gegenteil von ihm. Gerade das schweißt sie zusammen. Rückblickend erzählen sie die Geschichte ihrer Freundschaft in der Reha-Klinik. Die beiden Helden durchleben ihre Jugend- und Jungsprobleme, saufen, rauchen, reden über Frauen, gehen ins Kino, verlieben sich in Mädchen… Spielerisch behandelt Sergej Gößners Stück die Geschichte zweier Außenseiter, ohne in klischeehafte Zuschreibungen über alles Ab- und Ausgrenzende zu verfallen.

Regie: Grit Lukas
Ausstattung: Nadine Hampel
Dramaturgie: Laura Busch

Ikarus: Philipp Quest
Francis: Alexander von Säbel

PRESSESTIMMEN

Pointenreich hat Gößner das aufgeschrieben, schnell und pur Grit Lukas das am Theater Magdeburg inszeniert: Im leeren Raum gibt es nur die zwei Schauspieler, ein bis zwei Rollstühle, Krücken, wenige Requisiten. Der Rest sind Verwandlung, Choreografie, stimmige Übergänge: Alexander von Säbel, der den ruhigen Francis spielt, wird mit präzisen Gesten, mit Brille und Block zum “Psycho”(logen), mit Mütze und Pferde-T-Shirt zum Loveinterest Jasmin. Wenn also auf der Spielebende zwei Männer miteinander rummachen, bekommt der Diskurs darüber, was einen Menschen ausmacht, neuen Drive. Als leicht prolliger Spaßjunkie Ikarus pumpt Philipp Quest dazu erstaunlich nuanciert ordentlich Energie in den Abend, ein Sympathieträger, der sein pubertäres Emotionsleben mit Vollkaracho gegen die Wand fährt.
Georg Kasch, Nachtkritik, 24.04.18.
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Den emotional aufgeladenen Text hat Grit Lukas in Magdeburg stark in Szene gesetzt. […] Klar arbeitet Regisseurin Grit Lukas Gößners Sprachkraft und die Poesie seiner Sprache heraus. […] Dass der bitter vom Leben enttäuschte Ikarus am Ende doch die Liebe findet, deutet Lukas mit einem knappen Telefonat an. Musik, Blitzgewitter und die Sprachkraft der Spieler machen die Produktion zu einem Erlebnis, das nicht nur ein junges Publikum tief berührt.
Elisabeth Maier, Rhein-Neckar-Zeitung, 27.04.18.
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Die Inszenierung ist schlichtweg jedem zu empfehlen, der Theater pur erleben will. Man kann lachen, weinen, nachdenken und verlässt das Theater mit einem rundum guten Gefühl.
Dr. Wolfram Hofmüller, Deutschlandradio Kultur, Rang 1, 25.3.2017
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Regisseurin Grit Lukas und ihre Spieler Philipp Quest und Alexander von Säbel lieferten zur Premiere am vergangenen Freitag einen stimmigen Abend, bei dem Lachen und Weinen nah beieinander waren und das Publikum mitten ins Herz getroffen wurde. […] Regisseurin Grit Lukas schafft es, stille und schmerzende Momente auszuhalten, in denen die Worte fehlen. Gleichzeitig erzählt sie eine wunderbar ermutigende, bisweilen saukomische Geschichte über das Leben, über das Glück und den Augenblick zu genießen.
Kathrin Singer, Magdeburger Volksstimme, 14.2.2017.
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Die Uraufführung von Sergej Gößners “Mongos” am Schauspielhaus Magdeburg ist eine erfrischende, poetische, energiegeladene Inszenierung. Eine Gratwanderung für Schauspieler sowie die Regisseurin Grit Lukas […] Mongos ist ein interaktives Stück. Nicht in dem Sinne, dass das Publikum mitspielt, aber die Stimmung wird von der Verbindung zum Zuschauer getragen. Offen- bzw. Aufgeschlossenheit zeichnen die Inszenierung aus. Die Bühne ist spartanisch eingerichtet – Krankenhaus eben – und so wird der Blick auf die Charaktere gelenkt bzw. die Beziehung derer untereinander. Rollstühle und Krücken werden in ihrem Gebrauch verfremdet, um ihre Assoziation mit Einschränkung und Krankheit zu lösen (Ausstattung: Nadine Hampel). Auflockerung, aber teilweise auch Verstärkung erfährt die emotionale Spannung durch musikalische Einspieler sowie Lichtmalereien. Es ist mitreißend, leidenschaftlich, aufmunternd, aber auch traurig, wie die gemeinsame Geschichte von Francis und Ikarus präsentiert wird. An sich passiert nicht viel, aber im Innern des Betrachters entsteht ein vielfältiges Bild dank der Leistung des Teams um Grit Lukas.
Lydia Flössel, Magdeboogie, 24.2.2017.

“Mongos” ist kein todernstes Stück: Die Figuren sprühen nur so vor Lebensfreude, wenn sie mit Krücken Luftgitarre spielen und im Rollstuhl tanzen. In dem Coming-of-Age Drama treten neben den Hauptfiguren noch Ärzte, Psychologen und eine junge Patientin auf, in die sich Ikarus verliebt. Ihnen allen gibt Alexander von Säbel, der auch den Francis spielt, Gesicht und Stimme. Dass er von einer Sekunde zur anderen die Rollen wechselt und trotzdem jeder Figur etwas Individuelles verleiht, ist ebenso genial inszeniert wie gespielt. […] Schwarze Vorhänge grenzen den Bühnenraum ab, die Darsteller nutzen nur die notwendigsten Requisiten, Musik und Beleuchtung unterstützen die Stimmung. Die Regisseurin verlässt sich auf die Kraft des Textes sowie die Qualität der Darsteller, und sie tut gut daran. Philipp Quest und Alexander von Säbel füllen mit ihrer Präsenz, ihrer Leidenschaft und Spielfreude den kargen Raum. Ich bin der Ansicht, dass man bei dieser berührenden Inszenierung sowohl Tränen lachen als auch weinen kann. Wer die Chance hat, das Stück zu sehen, sollte sie unbedingt ergreifen.
Hannah Schmidt, junge bühne, 20.3.2017.
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Und auch wenn es keine Neuinszenierung ist, aber das Stück „Mongos“ sei an dieser Stelle nochmal allen, die es noch nicht gesehen haben, ans Herz gelegt. Die einfühlsame, aber nicht weniger humorvolle Inszenierung sorgte in der vergangenen Saison für ausverkaufte Säle und ist zu empfehlen für Theaterzuschauer ab 13 Jahren.”
Kathrin Singer, Ottokar, Familienmagazin, 29.09.17
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Mit einem Fingerschnips kann er sich von Francis in das Mädchen namens Jasmin verwandeln und auch in den von Ikarus gehassten Arzt, der als „Psycho“ bezeichnet wird. Genau diese Wandelbarkeit begeistert das Publikum, da die Wechsel der Situationen einwandfrei von der Regisseurin Grit Lukas inszeniert wurden. […] Aber Achtung für alle Eltern: Ihnen könnten an einigen Stellen die Ohren schlackern. Trotzdem ist es empfehlenswert, da dort Themen angesprochen werden, die jeder aus dem eigenen Haus kennt. Also nichts wie hin!
Anna-Lena Kramer, Presseblog, 16.11.17:
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Fotos

Fotos: Nilz Böhme

Video

Trailer: Grit Lukas